AUTOR : Anders
VERÖFFENTLICHT : 2019-01-23 09:00

Sony PlayStation Classic


Ach du schöne Nostalgie. Die originale PlayStation ist mit einem Remake zurück. Und wir sind bereit unsere liebsten Kindheitserinnerungen wieder aufleben zu lassen.

Sony Playstation Classic

Hard Facts

PlayStation Revival
Retro Design
20 vorinstallierte Spiele


Damals war noch alles in Ordnung. Im sorgenfreien Kinderzimmer: Teenage Mutant Ninja Turtles, Nerf Guns, Super Soakers und natürlich Crash Bandicoot, Gran Turimso, Tom Raider und der ganze Rest auf der PlayStation, die ein Weihnachtsgeschenk von Mama und Papa war.

Jetzt liegt die PS schon jahrelang auf dem Dachboden.

Aber zum Glück dominiert der Vintage Trend jetzt auch den Konsolen Markt und Retro Konsolen sind der neue Verkaufsschlager.

Sony lässt sich diese Gelegenheit natürlich auch nicht entgehen.  Endlich können Knöpfe wieder willkürlich aggressiv gedrückt werden, um genau wie in den 90ern Eddy zum Sieg zu führen. Wir präsentieren: Die PlayStation Classic. Und ja: Tekken 3 ist vorinstalliert.

Ein kleines bisschen Geschichte

Sony gibt es schon länger auf dem Elektronikmarkt. Seit den jungen Jahren machte das Unternehmen mit Transistorradios, dem Walkman, Discman, Blue Ray usw. Gewinn. Man kann drüber streiten, aber ich schreibe es jetzt einfach hier. Das beste Produkt kam 1995 auf den Markt: Die PlayStation. Nachdem die Zusammenarbeit mit Nintendo gescheitert war, entschied Sony sich dafür ein eigenes Ding durchzuziehen und selbst eine Gaming Konsole zu entwickeln.

Die PlayStation wurde das erste Mal auf der CES im Mai 1991 vorgestellt. Und hier handelte es sich nicht einfach nur um eine neue Konsole, sondern um eine bahnbrechende Erfindung. Video in CD Qualität, komplexes 3D Modelling, usw.

Das Ganze stellte sich als großer Erfolg heraus und in den späten 90ern wurden der Markt von Nintendo 64 und PlayStation dominiert. Ich erinnere mich noch lebhaft daran, wie ich die PS1 zu Weihnachten bekommen habe. Im Paket enthalten: Crash Bandicoot 2: Cortex Strikes Back. Und er hat mich überzeugt. Selbst nachdem ich auf den PC umgestiegen bin, habe ich mich immer noch gern zurückerinnert.

Das schürt natürlich hohe Erwartungen - Zeit die PlayStation Classic zu testen.

Unboxing

Die Verpackung trifft auf jeden Fall den richtigen Nerv bei mir und weckt Nostalgie. Auf der Vorderseite der Box ist ein Bild der Konsole im 90er Design. Auf der Rückseite sind Screenshots von jedem der 20 Spiele enthalten. Lustig das einige der Spiele mit einer Altersbeschränkung von 18+ Jahren verkauft wurden. Als Kind habe ich eigentlich nicht viel drüber nachgedacht, während ich digitale Fußgänger in GTA nieder gemacht und Corporate Zombies in Resident Evil gemetzelt habe.


Die Verpackung enthält neben der Konsole auch zwei Controller mit Lade- und HDMI Kabel.

Komischerweise ist kein Power Adapter dabei. Die meisten von uns haben sicher irgendwo einen Adapter rumliegen. Aber mir ist es mehr als einmal passiert, dass Stromübertragung nicht ganz gleichmäßig war. Aus diesem Grund hat mein Raspberry Pi immer wieder angefangen zu stocken. Ich finde Sony hätte die paar EUR springen lassen können, um uns ein fertiges Produkt zu liefern.

Die PlayStation Classic ist im Vergleich zum Vorgänger eher klein. Aber es ist auch offensichtlich, dass viel Herzblut in das Design gesteckt wurde, um es wie das Original aussehen zu lassen.

Die Knöpfe sind alle Nachbildungen des Originals und haben ähnliche Funktionen, auch die USB Slots sehen überraschend analog aus, sobald man sie eingesteckt hat. Das Einzige, das fehlt sind der Deckel und der IO-Port auf der Rückseite (den Sony auch in den späteren Versionen der ursprünglichen PS1 entfernt hat, da sie keiner verwendet hat).

Auch die Anleitung sieht genau wie die Originalversion aus. Zum Vergleich habe ich mal mein Original aus der Kindheit rausgekramt. Wer erinnert sich noch an die guten alten Tage, in denen die Computer-Hefte noch Demos der neuesten Spiele auf CD beiliegen hatten?

Diesmal sind leider keine Demos beinhaltet, aber ich könnte mich definitiv mit mehr Spielen anfreunden. Zum Beispiel Crash Bandicoot 2: Cortex Strikes Back, was nicht dabei ist. Leider kann man das Spiel auch nicht separat einkaufen.

Außerdem hat Sony entschieden, dass es das gewesen sein soll. Abgesehen von den vorinstallierten Spielen, wird nicht mehr erhältlich sein.Ein wenig enttäuschend.

Die PlayStation Classic im Gebrauch

Lasst uns nicht länger um den heißen Brei herumreden. Hier der Test!

Sobald die PlayStation an meine Home Station angeschlossen ist dringt ein alter wohlbekannter Ton an meine Ohren. Die liebliche Melodie des PlayStation Bootups. 20 Jahre später ist das wirklich ein schönes Geräusch, das mich mal wieder ein wenig nostalgisch werden lässt.

Die PlayStation Classic hat einen kurzen Setup Prozess auf dem Startbildschirm. Ein Überblick, wofür die Knöpfe gedacht sind und die Sprachauswahl. Der Reset Button ist dafür gedacht, das Spiel zu verlassen und mit dem Eject Knopf kann die CD-ROM gewechselt werden. Final Fantasy VII war in den guten alten Tagen auf drei CDs. Heute ist das einfach nur ein weiteres nostalgisches Feature.

Am wichtigsten sind natürlich die Spiele. Und meistens funktionieren die auch ziemlich gut. Einige stocken allerdings immer wieder. Etwas, das mir bei der originalen PS1 nicht passiert ist. Das liegt wahrscheinlich an drei Hauptproblemen: PAL, dem Emulator und der Hardware selbst.

Schaut man sich die Sache genauer an, stellt man fest, dass sechs der Spiele, unter anderen Tekken 3, Grand Theft Auto und Tom Clancy’s Rainbows Six, in der europäischen PAL Version laufen. Das liegt wahrscheinlich an den längeren Sprachepisoden und Problemen damit die Spiele umzuprogrammieren.

Gängige Fernseher und Bildschirme nutzen 60 Hz, während PAL sich auf 50 Hz beschränkt. Die Spiele zeigen also nicht die richtige Anzahl an Bildern pro Sekunde und haken deswegen recht oft.

Die ursprüngliche Lösung, die das Ganze noch schlimmer macht, war einfach die Geschwindigkeit der Spiele zu reduzieren und sie nur mit 80% der Geschwindigkeit laufen zu lassen. Das wird schnell klar, wenn man das Original mit der Classic vergleicht.

Zusammenfassend bedeutet dies, dass es jetzt Spiele gibt, die auf langsameren Frameraten in PAL als die nordamerikanische NTSC laufen. Sie werden nicht synchronisiert, da die HDMI-Verbindung auf 60 Hz läuft.

Zweitens haben wir den Emulator, der den Code der alten PS1-CR-Roms in etwas übersetzt, das für eine moderne Maschine verständlich ist. Sony hat sich das Open-Source-Projekt PCSX Rearmed geliehen, ein Emulator mit gutem Potenzial, allerdings ein bisschen langsam. Später erzählen wir aber ein wenig mehr dazu wie man das Problem selbst umgehen kann.

Ich hätte wirklich gern gezeigt wie nervig die stockende Wiedergabe ist, aber ich glaub man versteht das erst richtig, wenn man es selbst erlebt.

Menüs und Einstellungen

Genug gespielt. Schauen wir uns einmal das Betriebssystem der Konsole an. Sony hat sich ein wenig an den aktuellen Lebensstil angepasst und den Speicher Status eingerichtet. So etwas wie ein Freeze Modus, der es möglich macht die PlayStation schnell abzuschalten und dort weiter zu machen, wo man aufgehört hat. Das bedeutet man muss nicht immer erst einen Speicherpunkt finden, wenn man eine Pause machen möchte.

Leider gibt es aber nur einen Speicherplatz für den Status des Spiels, viele Emulatoren bieten mit Leichtigkeit 10 oder mehr Punkte zum Wiederanfangen des Spiels. Natürlich kann man auch darüber streiten ob mehr als ein Speicherpunkt mehr Optionen zum Cheaten bietet. Die Originalversion hatte sowas auch nie. Das hängt also eigentlich ganz vom persönlichen Geschmack ab. Wer sich aber gerne an den Vorteilen der heutigen Gesellschaft ergötzt, kann die PS einfach hacken (mehr dazu später).

Das Einstellungsmenü ist recht sparsam. Ein Screensaver, Sprachauswahl und ein Stromsparmodus. Das ist eigentlich schon alles. Für mich wäre es noch praktisch gewesen, die Größe des Fernsehbildschirms anpassen zu können. Bei mir werden nämlich die Ecken ein bisschen abgeschnitten.

Modifizierungen

Es Bedarf nicht einmal eines erfahren Hackers, um eine gigantisch große Schwachstelle im Betriebssystem zu finden: Ein geheimes Menü, das Zugang zu den PCSX Rearmed Einstellungen gibt. Damit ändert man FPS, Frameskip und die Region (NTSC / PAL). 

Okay und jetzt der faszinierende Hack? Einfach eine Tastatur anschließen und Escape drücken. Jup! So einfach geht’s. Leider funktioniert das nicht mit jeder Tastatur. Aber Logitech und Corsair haben gute Erfolgsquoten. 

Es hat nicht lange gedauert bis Exploits auftauchten, mit denen die Boot-Sequenzen umgangen wurden. Auf diese Weisen kann man mit eigenen Emulatoren mit besserer Leistung, mehr Einstellungen und vor allem mehr Games genießen. Theoretisch kann man jetzt also jedes Spiel spielen, solange man nur im Besitz einer (legalen) Kopie auf einem USB-Stick ist. Crash Bandicoot 2, ich kommeeeeee!

Zu dem Thema gibt es viele Guides im Netz, und es ist eigentlich recht einfach sich zurecht zu finden, wenn man mehr oder weniger Technik-affin ist.

Zusammenfassung

Hier noch einmal Nostalgie und Analytik zusammengefasst. Ist die PlayStation Classic ihr Geld wert? Zur schreibenden Stunde ist die PlayStation für ungefähr 55 Euro erhältlich. Sich selbst so etwas zum Beispiel mit Hilfe eines Rasperry Pi Minirechners zu bauen ist zum gleichen Preis fast unmöglich. Besonders wenn man noch SD-Karten, Controller, usw. kaufen muss. 

Auch vom technischen Standpunkt gesehen haut die Konsole niemanden vom Hocker. Aber viele Hobby Nerds arbeiten hart daran, die Konsole in Zukunft nützlicher und somit auch spaßiger zu machen.

Wer bereits einen Raspberry Pi besitzt, braucht sich nicht die Mühe machen eine PS Classic zu kaufen. Das gleiche gilt natürlich auch für alle, die im Besitz einer neueren Version der PlayStation sind. Einschließlich der mobilen und der Vita Version. Da kann man nämlich die alten Spiele mit viel besserer Performance spielen.

Finde ich die aktuelle Retro Phase absolut überragend? Klar! Kann ich mir vorstellen den Rest meinest Lebens jede Woche mit 20 Stunden Gaming zu verbringen? Klar! Kann ich mir vorstellen anstelle eines Raspberry Pi die Retro Version unzähliger Konsolen zu kaufen? Eher nicht.

Am Ende geht es eben einfach darum, worauf man am liebsten seine Zeit und Energie verwenden möchte. Und darum, ob diese 20 Spiele es einem wert sind.  Es wird am Ende des Artikels niemanden überraschen, dass ich Crash Bandicoot, aber natürlich auch andere Klassiker wie zum Beispiel Spyro, Tombi und Wipeout vermisse. Und lohnt es sich überhaupt etwas zu kaufen, dass man danach radikal umbauen muss?

Außerdem scheint es, das Sony die PS Classic ein wenig zu hastig auf den Markt gebracht hat. Einige Manager scheinen sich in der Thematik nicht so richtig auszukennen. Ich finde das sieht man zum Beispiel an den PAL Games, der Performance und der begrenzten Anzahl der Spiele. Und daran, dass es eigentlich nicht die Möglichkeit gibt noch weitere Spiele zu kaufen. Ein Online Shop wäre zum Beispiel cool gewesen. Zum Beispiel so wie der von Nintendo (obwohl die mini retro Konsolen, das eigentlich auch nicht haben). 

Obwohl ich mich sehr darauf gefreut habe, vergebe ich nur 7 Punkte an Sony. Für ein gutes Bisschen Spaß, das, trotz des benutzerfreundlichen Preises, das Gefühl verschafft, dass das Produkt zu früh auf den Markt kam und sich ein wenig zu billig anfühlt, um ein echter Klassiker zu werden.

Good

  • Der Preis
  • Plug and Play. Funktioniert sofort
  • Spiele Klassiker vorinstalliert
  • Speichermodus
  • Authentisches Design für Design und Qualität
  • Mehr Möglichkeiten für Hacker und Cracker

Nicht so gut

  • Performance Probleme
  • Begrenzte Anzahl an Spielen – nicht alle sind must haves
  • Kein Adapter
  • Wenige Einstellungsoptionen

Das Ergebnis: Score 7

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