AUTOR : Jan
VERÖFFENTLICHT : 2019-01-25 10:50

ROCCAT Vulcan 120 AIMO Tastatur


ROCCAT stellt die neue super flache mechanische Tastatur vor. Und: Die Weltpremiere der ROCCAT Titan Switch Tactile für taktilen Tastendruck. Wir testen die neuen Tasten.

Roccat Vulcan 120 AIMO Tastatur

Hard Facts

Maße: 462 x 235 x 32 mm
Gewicht: 1150 gr
RGB Lichter in 16.8 Mio Farben
Handballenablage
Roccat Swarm Software


Heute testen wir die Gaming Tastatur des deutschen Herstellers ROCCAT, die sich schon allein optisch ein wenig vom Rest abhebt.

Normalerweise haben mechanische Tastaturen den Ruf ein bisschen klobig zu sein. Das liegt hauptsächlich an der Größe der Tasten. ROCCAT will uns vom Gegenteil überzeugen und präsentierte die erste flache mechanische Tastatur.

Wir schauen uns das Vulcan 120 AIMo Modell an. Das erste, was uns ins Auge sticht, ist das AIMO-Lichtsystem, das für ordentliche Effekte sorgt. Ein schöner Schein, aber kann die Technik hinter dem RGB Spektakel den hohen Erwartungen gerecht werden? Und noch viel wichtiger: Was können die neuen taktilen Tasten?

Unboxing der Tastatur

Wie immer packen wir das Produkt erstmal aus. Die Box ist mit einem Bild der Tastatur bedruckt und die Rückseite listet die Highlights auf: Qualität, Titan Switch Tactile und massig RGB. Die Tastatur selbst ist in antistatische Folie gehüllt.


Neben dem Gamingboard enthält die Box noch ROCCAT Sticker und eine ergonomische Handballenauflage, die dünn und minimalistisch ist und eine anti-rutsch Beschichtung hat. 

Aber noch einmal zurück zur Tastatur. Sie ist simpel und stylisch mit schwarzen Tasten auf gebürstetem Metall. Auf den ersten Blick sieht sie aus wie die meisten anderen Gaming Keyboards auf dem Markt, aber bei näherer Betrachtung findet man hier Liebe zum Detail. Zum Beispiel ist das USB Kabel, mit dem man die Tastatur anschließt, mit dem Roccat Vulcan Logo bedruckt, was ich ganz nett finde.

Auf der rechten Seite der Tastatur ist natürlich der Ziffernblock, aber auch ein paar andere interessante Kleinigkeiten. Zum Beispiel eine Stummschalttaste. Außerdem gibt es eine Taste mit FX Aufdruck und eine weitere mit Lautsprecher Logo. Das kleine Rädchen daneben hat zwei Funktionen: Ist der Lautsprecherknopf aktiviert, steuert das Rad die Lautstärke. Ist der FX-Knopf aktiviert, ändert sich die Funktion. In der Software kann man diese praktischer weise selbst zuweisen. 

Wie bei jeder anderen Tastatur auch, gibt es die F-Funktionstasten auf der Vulcan 120 AIMO. Mit F1-F4 kann man zwischen vier verschiedenen Profilen wechseln, die man mit der Software der Tastatur bearbeiten kann. F5-F8 geben Zugriff auf den Taschenrechner, den Browser und ähnliches. Die Media Kontrolle ist hinter den Tasten F9 – F12 verborgen, die pausieren und spulen erlauben.

Ein Indikator Licht gibt an, ob die Tastatur im Gaming Modus ist, der unter anderem die Windows Taste deaktiviert.

Aber was die Tastatur wirklich besonders macht sieht man erst von der Seite. Hier wird klar, dass sie extrem flach ist. Die Tasten schweben über der Aluminium Basis wie bei jedem anderen Produkt, dabei sind sind allerdings niedriger als der Durchschnitt. Auch der Aufsatz ist viel schmaler. 

Natürlich können die Aufsätze auch von den Tastenschaltern abgenommen werden. Dafür muss man einfach ein bisschen an ihnen ziehen und ruckeln. Die Titan Tastenschalter sind goldbraun und heben sich von anderen Tasten ab. ROCCAT gibt nicht an, mit wem sie zusammengearbeitet haben, als sie diese Tastatur entwickelt haben. Meiner Meinung nach wären Cherry, Gateron oder Kailh eine mögliche Quelle für Inspiration, da sie auf dem Gebiet sehr erfolgreich sind. 

Ein kleines Detail, das leicht zu übersehen ist, ist das auf jeden einzelnen Tastenschalter gedruckte ROCCAT Logo. Zu klein, um es mit meiner Kamera einzufangen, aber trotzdem sehr nett.

Ich baue alle Tasten wieder zusammen und drehe das Keyboard um. Hier finden wir ausklappbare Gummifüße, die die Tastatur auf jeder Oberfläche stabilisieren. Zwei Füße an den äußeren Enden, verschaffen der Tastatur einen zusätzlichen Winkel. Sie sind auch mit einer Gummibeschichtung ausgestattet.

Unten ist die Tastatur mit und ohne die stützenden Füßchen zu sehen. Ich persönlich mag den Winkel, den die ausgeklappten Füße bieten. Aber auch wenn sie nicht genutzt werden, hat das Gaming Keyboard eine schlichte Eleganz. Ich bin wirklich beeindruckt.

Ohne Füße:

Mit Füßen:

Bevor wir uns der Software widmen, noch ein paar Worte zur Handballenablage: Genau wie die Tastatur ist sie extrem schmal und auf den ersten Blick war ich mir nicht sicher, ob sie fest sitzen würde. ROCCAT arbeitet hier mit Magnetkontakten, die sich an das Keyboard wie eine blutrünstige Zecke saugen, selbst wenn man es über den Tisch zieht.

Die Software – Roccat Swarm

Ich schließe das Keyboard an und öffne die Software. Ein Update steht aus und verzögert den Prozess, aber das schafft Zeit für Kaffee.

Mit einer frischen Tasse Kaffee bietet die Tastatur drei verschiedene Tabs: Grundeinstellungen, Tastenfunktionen und Tastaturbeleuchtung.

Hier wären ein paar Screenshots angebracht. Allerdings haben wir das dänische Original getestet, deswegen füge ich nur ein Bild ein, um einen kurzen Überblick zu verschaffen. 

In den Basiseinstellungen können wir die Verzögerung bei wiederholten Eingaben und die Blinkgeschwindigkeit des Markers, z.B. in Word einstellen. Ziemlich übersichtlich. Falls man aus irgendeinem Grund gerne immer einen Klick im Headset hören will, sobald man eine Taste drückt, ist auch das konfigurierbar.

Anschließend können den Tasten alternative Funktionen zugewiesen werden. Zum Beispiel die FX Taste, mit der sich das Rad in der oberen rechten Ecke einstellen lässt. Dafür gibt es eine Auswahl von vordefinierten Profilen, falls man nicht die nötige Energie oder Kreativität verspürt, um sich selbst etwas zu überlegen.

Zuletzt können die RGB Lichter auf der Tastatur angepasst werden. Auch hier gibt es Voreinstellungen. Wenn man die ganze Sache ernst nimmt, kann man nicht nur die Farbe ändern, sondern auch angeben, welche Tasten wie leuchten sollen. Das ist meiner Meinung nach aber nicht ganz so intuitiv wie es bei anderen Herstellern sein könnte.

Der Bereich Profil gibt Zugang zu vier Profilen, die jeder Zeit über die F1-F4 abgerufen werden können.

Der Profile Manager öffnet sich in einem neuen Fenster.  Und hier können verschiedenen Profile für die Tastatur importiert und exportiert werden. Dabei gibt es beliebige Kombinationsmöglichkeiten. Das ist zum Beispiel hilfreich, wenn man mehr als vier verschiedenen Profile erstellt hat.

Das gleiche gilt für den Macro Manager. Hier können die Profile aufgenommen werden, anstatt sie old school zu erstellen. Eigentlich ist der Prozess recht einfach, aber es gibt trotzdem ein paar kleine Probleme. Eines ist die mangelnde Stabilität – die Software blieb ein paar Mal hängen und ich musste neustarten. Das bedeutet man muss wieder ganz von vorne anfangen, weil Änderungen nicht automatisch gespeichert werden.

Über das Hauptmenü greift man auch auf das AIMO-Panel zu. AIMO ist kurzgesagt ein intelligentes RGB Licht, das von ROCCAT entwickelt wurde. Wird es aktiviert, lernt AIMO die Gewohnheiten des Nutzers und beleuchtet die Tastatur dann automatisch. Je häufiger und länger man es nutzt desto größer wir der Badass-Faktor der Beleuchtung. Zumindest schreibt sich ROCCAT das so oder ähnlich auf die Fahne. Leider kenne ich mich nicht gut genug mit RGBs aus und hatte nicht lange genug Zeit die Tastatur zu testen, um sagen zu können, ob das wirklich stimmt. 

Der Test – Komfort, Nutzererlebnis und RGB

Endlich geht’s ans Eingemachte. Wir testen die Tastatur und tippen nicht einfach nur auf einem anderen Gaming Board passende Stichpunkte dazu sein. 

Komfort

Die Vulcan ist mit Abstand eine der flachsten mechanischen Tastaturen, die ich je gesehen habe. Schon allein deswegen freue ich mich darauf sie auszuprobieren.

Und das Design spielt in Sachen Komfort eine große Rolle bei ROCCAT Tastaturen.

Ganz ehrlich – ich bin eher nicht so der Typ für Handballenablagen, habe sie aber trotzdem direkt an die Tastatur angehängt. Außerdem habe ich die kleinen Füßchen unter der Tastatur ausgeklappt, um zum Tippen einen besseren Winkel zu schaffen. Etwas woran ich von der SoundblasterX Vanguard gewohnt bin, die übrigens um einiges dicker ist.

Da die Vulcan 120 AIMO so schmal ist, ist der Übergang von Tisch zu Tastatur fast unmerklich. Das bedeutet man kann seine Hände ablegen, ohne sie zu beugen. Das war für mich stundenlang bequem. In diesem Fall würde ich die Ablage also langfristig an der Tastatur lassen. 

In anderen Worten: Ich war mit dem Ergebnis sehr zufrieden.

Mein einziges Problem sind die ziemlich scharfen Kanten der Tasten. Minimale Kritik, aber meine Finger würden sich über abgerundete Ecken freuen.

Nutzungserlebnis

Neben der Tatsache, dass die  Tastatur dünner als ein Supermodel aus den 90ern ist, hat ROCCAT noch ein weiteres Ass im Ärmel: Titan Switch Tactile.

Die Tastenschalter lassen sich nur schwer mit anderen Modellen auf dem Markt vergleichen. Zum Beispiel sind sie viel kleiner als reguläre Cherry Tasten. Mit einem Betätigungspunkt von 1.8mm und einem Bewegungsraum von bis zu 3.6mm sind die Daten Eckdaten der Tastatur nichts Außerordentliches. Zum Vergleich die Daten eines durchschnittlichen Cherry MX Tastenschalters: Die Taste schlägt nach 1.5mm an und die MX Speed Tasten bewegen sich nur 1.2 mm. Aber das ist nur, was auf dem Papier steht. Die Praxis ist ein wenig anders.

Die Titan Tasten fühlen sich unglaublich schnell an. Normalerweise arbeite ich mit der Vanguard K08 mit den SoundBlasterX PRES Tasten. Diese haben normalerweise einen Betätigungspunkt von 1.5mm und eine Tastenbeweglichkeit vn 3.5 mm. Das ist weniger als bei der Titan, sollte also theoretisch ein wenig schneller sein.

Trotzdem fühlt sich das anders an. Ich bin mir nicht sicher, ob ich es mir nur einbilde oder vielleicht ein bisschen zu enthusiastisch bin, aber in den wenigen Tagen, die ich die Tastatur nutze, hat sich meine Geschwindigkeit bedeutend erhöht. Sowohl beim Schreiben, als auch beim Gaming.

Da die Eckdaten, die Eckdaten der Vulcan eigentlich auf eine schlechtere Performance hindeuten, nehme ich an, dass es daran liegt, dass die Tasten so schmal sind. Die Finger über die Tastatur zu bewegen fühlt sich dabei sehr viel einfacher an. Man muss sie nicht so weit anheben, und kann deswegen die Tasten schneller drücken. Das ist zumindest meine Theorie...

Deswegen empfehle ich jedem die Titantasten auszuprobieren. Sie sind auf jeden Fall etwas Besonders und jeder Hardcore Tastatur Virtuose, sollte einmal damit gespielt haben. Für mich fühlt es sich wie eine Kombination aus Cherry MC Red und Brown an. So wie ich das einschätze ist auch das Geräuschniveau ähnlich.

Zusammenfassend bin ich mit der Vulcan Tastatur von ROCCAT wirklich zufrieden und sie ist im Vergleich zu anderen Gaming Tastaturen einzigartig.

Die Funktionen, die über die FN Tasten abrufbar sind, sind ein schönes Detail. Ich hätte mich aber auch noch über gesonderte Knöpfe für die Media Kontrolle gefreut. Genau wie play/pause spulen etc. Das ist nur ein kleines Detail FN + F9-F12 übernehmen ja in dieser Hinsicht schon den Job.

RGB

Wie auf den Bildern zu sehen ist, sind die RGB Lichter üppig und hell.

Ein kleines Detail sind die Indikatoren. Wie unten zu sehen ist, sind sie unter dem Zahlenblock - nicht darüber, wie wir es normalerweise gewohnt sind.

PREIS

Zur schreibenden Stunde ist die Vulcan 120 AIMO für ca. 160 Euro erhältlich.

Obwohl das vielleicht ein bisschen teuer für ein paar Tasten auf Alu klingt, ist der Preis im Vergleich zu anderen High-End Modellen ziemlich bescheiden. Die Vulcan 120 AIMO bietet dafür ein einzigartiges dünnes Design. In Kombination mit den anderen Funktionen ist der Preis also recht fair. 

Zusammenfassung

Wir haben schon lang kein ROCCAT Produkt mehr getestet. Schade. Mit der neuen Vulcan Serie haben sie nämlich bewiesen, dass sie zu den Top-Playern der Tastatur Produzenten zählen.

Die Vulcan 120 AIMO war mein erster Kontakt mit einer flachen mechanischen Tastatur. Und ich muss sagen, sie hat mich vom Hocker gehauen.

Dank des Designs ist die Tastatur komfortabel und auch nach Stunden bequem. Die ergonomische Handballenablage tut den Rest.

Die einzigartigen Titan Tasten, in Verbindung mit den schmalen Tasten, erlauben es super schnell zu tippen. Und das entgegen aller Logik, da die Specs eigentlich vermuten lassen, dass sie ein wenig langsamer als gewöhnliche SoundBlasterX Vanguard K0 Tasten performen. 

Der Drehknopf in der oberen rechten Ecke, der die Lautstärke und eine selbst ausgewählte Funktion kontrolliert, ist ein tolles Feature. Meiner Meinung nach, wäre hier aber vielleicht ein traditionelles Rad besser gewesen. Eventuell war das aber wegen des flachen Designs nicht möglich.

Egal ob man ein großer Fan von RGBs ist oder nicht, die Lichter der Vulcan sind beeindruckend. Die anotisierte Aluminiumplatte trägt noch zu dem Effekt bei, indem sie die Lichter wie in einem Blade Runner Film reflektiert. Genug um den Regenbogen oder einfarbige Details zu bestaunen. 

Nun zur Kritik:

Ich mag die scharfen Kanten der Tasten nicht. Sie nerven zum Beispiel wenn man eine Taste nicht ganz sauber trifft. Nur ein kleiner Punkt, aber ich will das hier trotzdem erwähnen.

Die Software ROCCAT Swarm könnte auch von einem Frühjahrsputz profitieren. Ich habe mehr als einmal miterlebt, dass die Software sich aufgehängt hat, ohne vorher speichern zu können. Aber natürlich weiß ich nicht ob das Problem bei meinem PC oder der Software liegt.

Trotzdem vergeben wir 9/10 Punkten und einen Great Product Award. Die ROCCAT Vulcan 120 AIMO überzeugt.

Gut:

  • Eine der ersten flachen mechanischen Gaming Tastaturen
  • Flaches Design
  • Viele Shortcuts über die FN-Tasten
  • RGB Lichter
  • Magnetische Handballenablage
  • Sehr komfortabel

Nicht so gut

  • Scharfe Kanten der Tasten
  • Software ist nicht ganz fehlerfrei

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